Als nächstes würde ich gerne Rückmeldung zum Feedback meiner Kommilitonen über meinen Beitrag (2te Aufgabe) geben. Generell hätte ich mir mehr Kritik erwartet, da ich doch einiges sehr kritisch und überspitzt formuliert hatte. Bisher habe ich jedoch erst zwei kritische Rückmeldungen gelesen, die ich natürlich nicht unkommentiert lassen möchte. Maggo86 kritisiert meine Einschätzung zum zukünftigen Lehrer:
Ich würde aber die Arbeit nicht auf “Research betreiben und Moderation” reduzieren. Dozierende – oder meietwegen e-Tutoren etc. – müssen nach wie vor didaktische Fragen berücksichtigen. Sie müssen Lehrkonzepte nach didaktischen Richtlinien erstellen, Hilfestellung geben, Leistungsnachweise anfertigen und korrigieren etc. Alles was man bisher auch getan hatte. Nun geschieht dies eben auf neuem Wege, daher sind eben neue Kompetenzen notwendig.
Maggo86 mag mit seiner Einschätzung da wohl recht haben. Es war natürlich eine sehr überspitzt formulierte Aussage meinerseits. Aber mein Gedankengang ging eigentlich gleich einen Schritt weiter. Warum sollte sich ein Lehrer beispielsweise die Mühe machen didaktische Richtlinien zu erstellen, wenn er auch diese schon im „Copy-Paste-Verfahren“ aus dem Internet ziehen kann. Research beschränkt sich ja nicht nur auf Inhalte, sondern kann auch auf Konzepte ausgedehnt werden. Entsteht einmal ein Entwurf, kann dieser flächendeckend ausgeführt werden.
Mit etwas Humor gesehen und um weiter bei Web 2.0 zu bleiben, könnte dieser Entwurf in einem Online-Projekt unter den betreffenden Lehrkörpern erarbeitet werden. Bleibt nur die Frage, wer dann als E-Tutor eingesetzt wird …
Auch Dandivonpferd hat eine abweichende Meinung gegenüber einer meiner Aussagen:
Dies bringt mich auch gleich zu meinem nächsten Punkt, wo ich Rhyminsimon widersprechen muss. Wie nun bereits mehrfach erwähnt, muss der Lehrinhalt in Anwendung von Web2.0-Tools in ein Projekt eingebettet werden. Ich versuchs mal an dem Beispiel von Wechs-Projekt zu erklären: Jeder Student/Schüler bekommt in dem Projekt “Welteroberung” eine Aufgabe zugewiesen: Der eine ist Präsident von USA, die andere Wirtschaftsministerin Russlands und so weiter. Jeder einzelne hat seine ganz eigenen Aufgaben und dennoch müssen alle zusammenarbeiten um das gemeinsame Ziel – Welterobern – zu erreichen. Da kann sich niemand in der Masse verstecken! Und da ist es egal ob es nun 20 Studenten sind oder 200.
Natürlich kann man sich dann in der Masse verstecken. Mehr Schüler/Studenten sind gleichzusetzen mit mehr Beiträgen. Der Lehrer / Dozent wird folglich weniger Zeit haben, sich mit den einzelnen bearbeiteten Aufgaben der Teilnehmer auseinander zu setzen – außer er hat eine übersteigerte, idealistische Berufsauffassung. Die Teilnehmerarbeiten werden folglich eher überflogen als genau analysiert. Der erste Eindruck wird immer mehr zählen, da der Lehrer weniger Zeit mit dem Betrachten der Teilnehmerarbeiten verwendet. Ein quantitativer, optisch schön gestalteter Beitrag würde im Vergleich zu einem qualitativen Text ohne optische Leckerbissen an Bedeutung gewinnen. Auch Plagiarismus würde zunehmen. Man kann sich nun ohne weiteres den Arbeiten der anderen Schüler / Studenten bedienen, die eine ähnliche Meinung beispielsweise im Projekt „Welteroberung“ vertreten. Diese werden dann ein bisschen umformuliert und schon hat man seine Aufgabe erledigt. Qualität abgeben ohne eigene Arbeitsqualität gezeigt zu haben – und keinem wird es auffallen in der Masse der Beiträge. Zudem wird es bei 200 Teilnehmern zweifelsohne zu Gruppenarbeit kommen, da sicherlich keine 200 verschiedenen Arbeitsaufträge formuliert werden. Und innerhalb einer Gruppe, in der es meist den ein oder anderen übereifrigen Teilnehmer gibt, ist es noch einfacher sich zu verstecken.
Dandi von Pferd fährt wie folgt fort:
Zumal hat der Dozent durch die Web2.0 Anwendungen einen viel besseren Überblick: er kann genau sehen, wenn jemand “faul” ist, da dieser kaum Blogeinträge verfasst, er kann sehen, wenn ein “Land dem Bach runter geht” und kann dann da auch gleich schauen wo das Problem liegt und persönliche und individuelle Hilfestellungen leisten. Im Frontalunterricht merkt der Lehrer meist erst an den schlechten Noten eines Schülers, dass er Probleme hat.
Da mag Dandi von Pferd teilweise recht haben, trotzdem teile ich seine Meinung nicht. Man mag vielleicht an der Anzahl der Beiträge messen können in welchen Bereichen sich der Arbeitseifer der Schüler bzw. Studenten bewegt. Doch sind wir schon so weit, dass der Lehrer nur noch Probleme bei der Arbeitsmotivation erkennen sollte (Stichwort: Leistungsgesellschaft). Sind die Tätigkeiten eines Lehrers nicht viel komplexer und eine ihrer Hauptaufgaben z.B. zwischenmenschliche Beziehungen bzw. die daraus resultierenden Probleme. Wie soll den ein Lehrer anhand der Beiträge auf einer Lernplattform erkennen können, dass ein Kind Probleme daheim hat, Verhaltensstörungen aufweist oder Integrationsprobleme hat. All dies sind doch Dinge, die man nur aus Beobachten – aus der Analyse von Verhalten, Gestik, Mimik, Gesprächen, etc. – ziehen kann. Online-Beiträge leisten da nur sehr begrenzt Hinweise. Dazu kommt noch, dass die Anonymität des Internets zum Aufbau einer Schein-Persönlichkeit beitragen kann. Ein selbstbewusstes Auftreten im Internet gibt keinen 100prozentigen Rückschluss auf vorhandenes Selbstbewusstsein in der Realität.